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Ein Schuh für Schäuble

Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert die automatisierte Auswertung von Bildern und Videos

Montag, 05. Juli 2010 von Benjamin

Irgendwie komisch, dass ausgerechnet Bildungsmittel für bessere Überwachungsmöglichkeiten verwendet werden…

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32859/1.html

Im Projekt „CamInSens“ wollen die beteiligten Partner etwa „personeninduzierte Gefahrensituationen“ aus verteilten, vernetzten Kamerasystemen automatisiert erkennen. Das „intelligente Videosystem“ soll eine praxistaugliche und rechtskonforme Plattform bereitstellen, die potenzielle Gefährdungssituationen unmittelbar erkennt und per Alarm darauf „aufmerksam macht“.

Die zu entwickelnden Algorithmen der Software suchen in Bildfolgen nach zuvor klassifizierten „auffälligen Bewegungsmustern“ und steuern gleichzeitig die Kamera, um Verdächtige im Blick zu behalten. Kameranetze sollen derart konstruiert werden, dass sie sich „selbst organisieren“ und sogar mit weiteren Sensoren kommunizieren, um detektierte Personen verfolgen zu können. Die „auffälligen Bewegungsmuster“ können vom System sowohl ans Personal als auch auf mobile Endgeräte übermittelt werden. Damit sollen Polizeibeamte und Sicherheitsdienste entlastet werden, die bislang ihr Bildmaterial manuell analysieren. Ein ähnliches System betreibt unter anderem die Stadt Mailand, die jüngst eine Ausweitung ihres angeschlossenen Kamerabestandes angekündigt hatte ([local] Nicht stehenbleiben, nicht rennen, unauffällig bleiben!).

Data Mining zur vorausschauenden Kriminalitätsbekämpfung

Die beschriebenen Projekte erfüllen ihren Zweck zur „vorausschauenden Kriminalitätsbekämpfung“, wie sie seit Jahren bei europäischen Polizeien Standard wird ([local] Information gilt als „Schlüssel“ zur Kriminalitätsbekämpfung). Ziel ist, die durch zunehmende digitale Überwachungsmethoden wachsenden Datenhalden computergestützt zu durchforsten und die dort verborgenen Informationen für Verfolgungsbehörden nutzbar zu machen. In die gleiche Richtung hatte sich 2007 bereits ein selbsternanntes Konglomerat europäischer Innenminister unter deutscher EU-Ratspräsidentschaft geäußert. Die Innenminister-Forderung zielte auf den EU-Fünfjahresplan „Stockholmer Programm“ und wurde dort erneut als „intelligence-led law enforcement“ festgeschrieben.

Die nach Umrüstung des „Videomusterbahnhofs“ am Kottbusser Tor geplante Evaluation wird laut der Antwort des Senats auf eine [extern] Kleine Anfrage „in enger Abstimmung mit der Berliner Polizei“ durchgeführt. Datenschutz und -sparsamkeit wird hier kleingeschrieben: Der Senat attestiert ausgerechnet der Berliner Polizei genügend Fachkompetenz und Unabhängigkeit und hält eine weitere, auch externe Prüfung für „nicht erforderlich“.

Das zuständige Kreuzberger Bezirksamt [extern] bestätigt, dass BVG und Polizei alle Bahnsteige Zugänge als für das Modellprojekt geeignet einschätzen. Allerdings sei zunächst nicht an den Einsatz biometrischer Analyseverfahren gedacht. Zu überwachende Bereiche sollen jedoch erweitert werden, die Kameras wiederum mit Schwenk- und Neigetechnik ausgestattet sein. Offen bleibt, was BVG und Polizei unter „biometrischen Verfahren“ verstehen. Die Beteuerung, keine biometrischen Verfahren einzusetzen, mag zwar so gemeint sein dass Gesichtserkennung und ein Abgleich mit entsprechenden Polizeidatenbanken ausgeschlossen wäre. Die computergestützte Suche nach „verdächtigem Verhalten“ oder ein „rückwärts und vorwärts gerichtetes“ Tracking, wie es „CamInSens“ oder „APFel“ auf eine neue Stufe heben wollen, wäre allerdings am „Videomusterbahnhof“ durchaus denkbar.

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32859/1.html

 

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