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Ein Schuh für Schäuble

Sigmar Gabriel und der biodeutsche Gensalat

„Aus schlechten Beispielen kann man nichts lernen“ (Gabriel, SPD), das habe ich mir auch gedacht, als ich die Veranstaltung von Metin Hakverdi und Sigmar Gabriel in der Honigfabrik Wilhelmsburg verlassen habe.

„In den Medien kriegt der die dicksten Schlagzeilen, der der größte Ganove ist“ (Gabriel, SPD) und dieser Gabriel ist einer der Ganoven, der ständig in den Schlagzeilen steht. „Das dieses Deutschlandplus sich weiterentwickelt“ (Gabriel, SPD) schafft Gabriel sicher mit unmöglichen Äußerungen wie dieser:

„Es gibt ne Reihe von Dingen, die wir […] heute mit besseren Chancen durchsetzten können, als das noch vor ein paar Jahren der Fall war. Und es soll natürlich auch zeigen, dass wir nicht nur einfach mal ne Rede halten und sagen wir sind dankbar, sondern, dass wir verstanden haben das wir eine Gesellschaft sind, mit unterschiedlichen Menschen, mit Männern und Frauen, Jungen und Alten, mit Menschen die Biodeutsche sind und andere die sozusagen sozusagen deren die noch was dazu gebracht haben und uns nicht alleine lassen wollten. Also also ich glaube, dass so eine bunte Mischung in unserem Land zeigen kann, das wir oder zeigen muss dass wir die auch, die dabei sein wollen, auch richtig ernst nehmen.“

Es war ausgerechnet eine Veranstaltung, die zur Freude darüber abgehalten wurde, dass vor circa 50 Jahren viele Menschen zum Arbeiten nach Hamburg kamen. Und diese sollte wohl eher aufzeigen, dass es keine Unterschiede gibt zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft oder unterschiedlicher Religion.  Garbiel bezieht sich dann aber plötzlich bei der einen Gesellschaft doch wieder auf Unterschiede. Das er dann bei der Aufteilung speziell das Wort „Biodeutsche“ nutzt, das in der Regel von Menschen, die nicht aus Deutschland stammen als beleidigende Bezeichnung für Deutsche verwendet wird und ob Nationalität irgendwie biologisch sein könnte, scheint ihm selbst dann doch etwas komisch und er verhaspelt sich. Aber schön, dass es Menschen gab, die genetisch verstumpfte Nation dann gerettet haben und hier niemand alleine lassen wollten. Das die Zuwanderung aber irgendwie ökonomisch bedingt war, wie er noch am Anfang betonte oder ob die Zuwanderung eine genetische Vielfalt ermöglichen sollte, bleibt für mich nach diesem (biologisch durch die Stimmbänder bedingten) Irrsinn offen.

Eine gute Analyse der Bezeichnung „Biodeutsch“ habe ich dann gerade hier gefunden:

Wie bio-deutsch sind Bio-Deutsche wirklich? – Eine Begriffsbestimmung

23. September 2011

Deutsche Kartoffel

Seitdem Cem Özdemir den Begriff „Bio-Deutscher“ vor einiger Zeit in die Öffentlichkeit trug, hört man diesen immer mal wieder. Nein, nicht so oft wie etwa das Wort „Migrantin“ oder „Asylsuchender“ – aber es ist ja bekanntlich auch schwierig in hegemonial geführte Diskurse einzugreifen oder sich auch nur zu Wort zu melden. So wird der Begriff „bio-deutsch“ mitlerweile vor allem von politisch engagierten MigrantInnen und Menschen mit Migrationshintergrund, wie man so schön sagt, verwendet um auf ein bestimmtes Verhältnis zwischen ihnen und eben den so sogenannten Bio-Deutschen aufmerksam zu machen.

Dieses Verhältnis, auf das aufmerksam gemacht werden soll, ist ein diskriminierendes und nicht selten auch rassistisches. Schlagwörter wie Mehrheitsgesellschaft und Parallelgesellschaft, Deutsche und MigrantInnen, Leitkultur und Fremdartigkeit umreißen dieses und weisen auf eine scheinbar homogene und vermeintlich ursprüngliche Gesellschaft hin, welcher eine Gruppe vom integrationsbedürftigen Eingewanderten gegenüber steht.

Aber wie integriert man sich? Worin soll sich integriert werden? Was ist überhaupt Integration? Können sich visible Minderheiten überhaupt in einer solchen Art integrieren, wie es von der „Mehrheitsgesellschaft“ verlangt wird? Schließlich werden sie weiterhin anhand ihres äußeren Erscheinungsbildes als „Fremde“ wahrgenommen werden. Aber selbst, wenn Integration funktionieren könnte, was wird dabei überhaupt verlangt? Und wieso darf hier überhaupt irgendwer irgendetwas von irgendwem verlangen?

Auch diese Fragen sind es, die bei einer kritisch aufgeladenen Benutzung des Wortes „Bio-Deutsch“ mitschwingen. Dabei beschreibt „bio-deutsch“ diejenigen Menschen mit deutschem Pass, die keinen Migrationshintergrund haben, die eben von früheren Generationen von Deutschen abstammen und damit auch selber „richtige“ Deutsche sind. Im Prinzip benennt der Begriff somit nur, was für einen Großteil der Menschen in der BRD „Deutsch-Sein“ bedeutet: nämlich eine biologisch aufgeladene Nationalität. „Deutsch“ kann demnach nur sein, wer deutsche Vorfahren, wahlweise auch „deutsches Blut“ hat und nicht etwa, wer die deutsche Staatsbürgerschaft in Form eines Passpapiers der BRD besitzt – womit wir wieder bei der Frage angelangt wären, wie man sich überhaupt integrieren kann (vorausgesetzt man möchte das).

Eine weitere Dimension des Begriffs „Bio-Deutsch“ ist der Versuch, die Markierung von den „Menschen mit Migrationshintergrund“ und die damit einhergehenden Vorurteile, also die Stigmatisierung, zu nehmen. Er dreht den Spieß um und markiert nun die vermeintlich ursprünglichen und „richtigen“ Deutschen, indem diesen ein sprachlicher Zusatz gegeben wird. Es existieren nun nicht mehr „Deutsche“ und „MigrantInnen“ (denen ein Deutsch-Sein von vorn herein abgesprochen wurde) sondern – neben den Menschen ohne deutschen Pass – „Deutsche“ und „Bio-Deutsche“.

Die Umkehrung der Markierung durch Begrifflichkeiten, also die Verschiebung des Fokuses von den Menschen mit Migrationshintergrund auf diejenigen deren Großvater oder Urgroßmutter noch die Weimarer Republik miterlebt haben, zeigt auch die generelle Absurdität und den diskriminierenden Charakter des Verhältnisses der angeblichen deutschen Leitkultur zu allen Menschen die, mit oder ohne deutschem Pass, als Fremde und Ausländer wahrgenommen werden. Es handelt sich bei dem Wort „Bio-Deutsche“ also nicht um einen analytischen Begriff, der etwa festschreiben würde wer nun ein „richtiger“ und ursprünglicher Deutscher ist, sondern um eine Art Persiflage und den Versuch dem gängigen Verständnis von „Deutsch-Sein“ einen Spiegel vorzuhalten und dieses Verständnis im besten Fall sogar zu verändern.

Auch wenn man mit der Begrifflichkeit „Bio-DeutscheR“ zunächst ein Problem haben könnte, weil er einen Zusammenhang zwischen Mensch-Sein, Biologie und Nationalität suggeriert, finde ich die Anwendung des Begriffs in den oben geschilderten Zusammenhängen sehr unterstützenswert. Denn er entlarft das gängige „Deutsch-Sein“-Verständnis als das, was es ist: ein biologistisch-rassistisches.

Ob Gabriel hier dem Verständnis von „Deutsch sein“ den Spiegel vorhalten wollte bezweifle ich doch stark. Um so eher verstehe ich, warum Sarrazin noch immer in der SPD ist unter diesem Vorsitzenden, der versucht sich satirisch mit dem Engel Gabriel gleich zu setzen und betont, dass dieser Mohammed nach Jerusalem geführt hätte.

Er hat auch Gutes von sich geben: „Wahlrecht ist kein Nationalitätenrecht, sondern ein Menschenrecht“ (Gabriel, SPD), aber das allein macht seine komische und nicht lustige Rede nicht besser. Wenigstens haben wir in der Honigfabrik gut gegessen – natürlich auf Kosten der SPD. Hoffentlich war der gute „Deutsche“ Salat bio und hoffentlich nicht genetisch verändert. Gute Veranstaltung, schlechte Redner. Und eine SPD, die allen eine Chance offen hält, um aufzusteigen und damit natürlich Deutschland voranzubringen. Deutsche Leitkultur, geleitet von der SPD, du kannst mich mal!

Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 06. Oktober 2011 um 20:50 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein, kurz Gepostet, News abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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